Hat mein Hund eine Allergie?

Diese Symptome solltest du kennen
Allergien beim Hund zeigen sich nicht immer eindeutig.
Manche Hunde haben nur ein einziges Symptom. Andere zeigen ein ganzes Bündel an Auffälligkeiten.
Wichtig ist:
Die Symptome, die ich hier beschreibe, können bei einer Allergie auftreten – sie müssen es aber nicht. Und sie bedeuten nicht automatisch, dass wirklich eine Allergie dahintersteckt. Dafür braucht es immer eine gründliche tierärztliche Abklärung
Grundsätzlich lassen sich die Symptome in drei große Bereiche einteilen:
- Haut und Juckreiz
- Ohren
- Magen-Darm-Trakt (vor allem bei Futtermittelallergien)
Zum Schluss schauen wir uns noch ein wichtiges Hilfsmittel an: die sogenannten Favrot-Kriterien.
1. Das Leitsymptom: Juckreiz
Das häufigste und wichtigste Symptom bei allergischen Hunden ist Juckreiz
Typisch ist zu Beginn der sogenannte
„Pruritus sine materia“ – Juckreiz ohne sichtbare Hautveränderung.
Das bedeutet:
Der Hund kratzt sich vermehrt, aber wenn man die Haut anschaut, sieht man erstmal nichts.
Viele warten genau an diesem Punkt zu lange, weil „man ja noch nichts sieht“.
Typische Körperstellen (Prädilektionsstellen)
Bestimmte Bereiche sind besonders häufig betroffen
:
- Gesicht (Schnauze, Augenbereich)
- Innenseiten der Ohren (nicht die Ohrränder)
- Pfoten, besonders die Zwischenzehenbereiche
- Achseln
- Bauch
- Leiste
- After- und Genitalbereich
- Extremitäten insgesamt
Ganz wichtig:
Bei klassischen Umwelt- oder Futtermittelallergien ist der Rücken in der Regel nicht betroffen
Das hilft später bei der Differenzierung.
Der Juckreiz kann:
- saisonal auftreten (z. B. bei Pollenallergie)
- oder ganzjährig bestehen (häufiger bei Futtermittelallergien)
2. Sekundäre Hautveränderungen – wenn es länger besteht
Je länger der Juckreiz anhält, desto mehr sichtbare Veränderungen entstehen.
Typische Folgen sind:
- Haarverlust
- rot-braune Fellverfärbungen durch Speichel (besonders an hellen Pfoten)
- trockene, glanzlose Fellstruktur
- dunkle Hautverfärbungen (Hyperpigmentierung)
- schuppige Haut
- sogenannte „Elefantenhaut“ (verdickte, dunkle Haut bei chronischem Verlauf)
- Krusten
- eitrige Hautentzündungen
- veränderte Talgproduktion (sehr fettige oder sehr trockene Haut)
- unangenehmer Geruch
Diese Veränderungen sind Folgen des Juckreizes – nicht die eigentliche Ursache.
Durch das ständige Kratzen und Lecken entstehen Mikroverletzungen. Das begünstigt bakterielle und Hefepilz-Infektionen
3. Ohrenentzündungen – manchmal das einzige Symptom
Ein ganz häufiges Allergiezeichen sind wiederkehrende Ohrenentzündungen
Manchmal sind sie sogar das einzige Symptom.
Auffällig sind:
- vermehrtes Sekret
- „schmutzige“ Ohren
- Juckreiz
- teilweise auch einseitige Entzündungen
Wichtig:
Vermehrtes Sekret ist nicht normal – das ist in der Regel bereits eine Entzündung
4. Augen- und Atemwegssymptome (seltener)
Im Gegensatz zum Menschen stehen beim Hund Atemwegssymptome nicht im Vordergrund.
Es können vorkommen
- Bindehautentzündungen
- tränende Augen
- Niesen
- Husten
- Rückwärtsniesen
Aber das ist deutlich seltener als Haut- und Ohrsymptome.
5. Magen-Darm-Symptome (typisch bei Futtermittelallergie)
Etwa 20–50 % der Allergiefälle sind Futtermittelallergien
Und dann ist häufig auch der Darm beteiligt.
Typische Auffälligkeiten:
Kotveränderungen
- schlechte Kotkonsistenz
- breiiger oder sehr weicher Kot
- größere Kotmengen
- häufigerer Kotabsatz
Als grobe Orientierung gilt:
Anzahl der Mahlzeiten + ein weiterer Kotabsatz pro Tag ist normal
Wird es deutlich mehr, sollte man genauer hinschauen.
Weitere typische Zeichen:
- Schleimauflagerungen („kondomartiger Überzug“)
- Blutauflagerungen
- schwarzer Kot (Teerstuhl)
- Blähungen
- Bauchschmerzen
- Magen-Darm-Gluckern
- vermehrtes Erbrechen
- Aufstoßen
- Sodbrennen
- Gras- oder Erde-Fressen
- wiederkehrende Analbeutelprobleme
- „Schlittenfahren“
Auch hier gilt:
Nicht jedes dieser Symptome bedeutet automatisch Allergie – aber sie können typisch sein.
Die Favrot-Kriterien – wann wird eine Allergie wahrscheinlicher?
Der Dermatologe Favrot hat Kriterien aufgestellt, die helfen, die Wahrscheinlichkeit einer Allergie einzuschätzen
Je mehr dieser Punkte zutreffen, desto wahrscheinlicher ist eine allergische Ursache.
Typische Kriterien sind:
- Beginn der Symptome vor dem 3. Lebensjahr
- Hund lebt überwiegend im Haus
- Vorderpfoten sind betroffen
- Ohreninnenseiten betroffen
- Ohrränder nicht betroffen
- Rücken nicht betroffen
- Juckreiz bestand anfangs ohne sichtbare Hautveränderung
- wiederkehrende Hefepilz-Infektionen
- Besserung des Juckreizes unter Kortison
Diese Kriterien sind keine Diagnose – sondern eine Orientierung.
Ganz wichtig: Erst Parasiten ausschließen
Bevor man von einer Allergie spricht, müssen andere Ursachen ausgeschlossen werden – insbesondere Parasiten
Nicht jeder juckende Hund ist automatisch Allergiker.
Was du jetzt tun kannst
Wenn dein Hund wiederholt:
- Juckreiz zeigt
- Ohrenprobleme hat
- Hautinfektionen entwickelt
- oder chronische Magen-Darm-Probleme hat
dann lohnt es sich, nochmal strukturiert zu überlegen:
Wurde wirklich schon in Richtung Allergie geschaut?
Oder behandelt man immer nur die Symptome?
Und wenn du tiefer einsteigen möchtest:In der dazugehörigen Podcastfolge gehe ich all diese Punkte Schritt für Schritt durch und erkläre die Zusammenhänge ausführlicher
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