Wenn der Bauch grummelt: Magen-Darm-Probleme beim Hund erkennen und verstehen

Magen-Darm-Beschwerden gehören zu den häufigsten Gründen, warum Hundemenschen meine tierärztliche Beratung in Anspruch nehmen. Doch nicht immer äußern sich diese Probleme so deutlich, wie man es erwarten würde. Klar – blutiger Durchfall oder häufiges Erbrechen lassen uns sofort aufhorchen. Doch viele Beschwerden beginnen schleichend, mit eher subtilen Anzeichen. Genau darüber spreche ich in der Podcastfolge 9 “Magenprobleme beim Hund: Symptome erkennen & richtig deuten” – und in diesem Artikel möchte ich die wichtigsten Punkte noch einmal zusammenfassen.

Nicht immer ist das Problem auf den ersten Blick sichtbar

Es gibt Hunde, die auf einmal mäkelig werden, nur noch unter bestimmten Bedingungen fressen oder sich regelrecht durch das Futterangebot „snacken“. Oft werden diese Tiere vorschnell als „verwöhnt“ abgestempelt. Doch aus meiner Erfahrung zeigt sich: Viele dieser Hunde haben tatsächlich Magenprobleme. Übelkeit, Sodbrennen oder schmerzbedingte Futterverweigerung sind hier keine Seltenheit.

Andere Hunde wiederum entwickeln scheinbar grundlosen Heißhunger auf Dinge wie Erde, Holz oder Gras. Auch das wird oft fehlinterpretiert – viele denken, es fehle dem Hund an Nährstoffen. In Wirklichkeit handelt es sich aber häufig um einen Versuch, das unangenehme Gefühl von Sodbrennen zu lindern. Denn sobald etwas im Magen ankommt, bessern sich die Beschwerden oft vorübergehend.

Magenprobleme erkennen: Auf diese Symptome solltest du achten

Die Anzeichen sind vielfältig – hier einige typische Symptome, die ich in der Praxis häufig sehe:

  • Appetitlosigkeit, besonders morgens
  • Leerschlucken, Schmatzen, vermehrtes Speicheln
  • säuerlicher Mundgeruch oder Aufstoßen
  • nüchternes Erbrechen, meist am frühen Morgen
  • Bauchgluckern
  • auffälliges Fressverhalten (entweder sehr mäkelig oder sehr „gierig“)
  • zwanghaftes Lecken (z. B. an Textilien, Händen oder Böden)

Auch Verhaltensänderungen – etwa Unruhe, Reizbarkeit oder vermehrtes Futter-Einfordern – können ein Hinweis auf Beschwerden im Magen-Darm-Trakt sein.

Kotabsatz gibt wichtige Hinweise auf die Gesundheits des Verdauungsapparates

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Kotabsatz. Nicht nur die Konsistenz, auch die Häufigkeit kann Hinweise geben. Eine Faustregel: Anzahl der Mahlzeiten plus ein Haufen am Tag ist meist normal. Häufigerer Kotabsatz, Schleimauflagerungen, Blutbeimengungen oder stark riechende Blähungen können dagegen auf ein Ungleichgewicht im Darm hinweisen – genauso wie auffällige Schleimauflagerungen oder wurstpellenförmige Überzüge am Kot, wie man sie z.B. häufig bei Futtermittelallergien beobachtet.

Bauchschmerzen – oft unterschätzt

Nicht jeder Hund zeigt Schmerzen deutlich. Manche wirken einfach ruhiger, bewegen sich weniger oder nehmen ungewöhnliche Haltungen ein – zum Beispiel die sogenannte Gebetshaltung (Vorderbeine ausgestreckt, Hinterteil hoch). Auch ein gespannter Bauch kann ein Hinweis sein. In der Praxis höre ich oft: „Mein Hund hat keine Schmerzen.“ Und doch zeigt sich nach der Gabe eines Schmerzmittels oft eine deutliche Verhaltensänderung. Es lohnt sich also, auch subtilere Signale ernst zu nehmen.

Was Gewichtsverlust verraten kann

Ein chronisches Magen-Darm-Problem kann auch zu ungewolltem Gewichtsverlust führen – selbst bei ausreichender Kalorienzufuhr. In manchen Fällen wird das Futter schlichtweg nicht effektiv verwertet. Ich habe Hunde betreut, bei denen sich nach gezielter Diagnostik und Anpassung der Fütterung das Gewicht bei deutlich geringerer Kalorienmenge stabilisiert hat – einfach, weil das Futter besser verwertet werden konnte.

Mein Fazit: Beobachtung ist der Schlüssel

Viele Magen-Darm-Beschwerden entwickeln sich langsam und bleiben lange unentdeckt. Deshalb ist es so wichtig, das Verhalten deines Hundes aufmerksam zu beobachten – vor allem rund ums Fressen, beim Kotabsatz und in Bezug auf Aktivität und Stimmung.

Du musst nicht sofort das Schlimmste befürchten, wenn dein Hund eines dieser Symptome zeigt. Aber wenn Beschwerden regelmäßig auftreten oder sich häufen, solltest du sie tierärztlich abklären lassen. Und wenn du das Gefühl hast, dass dein Hund dauerhaft Magen-Darm-Probleme hat, begleite ich dich gern – zum Beispiel in Form einer individuellen Ernährungsberatung.

👉 Vereinbare hier gern ein Kennenlerngespräch – gemeinsam schauen wir, wie wir deinem Hund helfen können.

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